Er kann nicht mehr kräh`n kokodi kokoda

Tierkämpfe sind übel. Aber Bali ohne einen Besuch beim Hahnenkampf? Das geht einfach nicht. Die Stimmung ist ernst, gespannt und emotional. Die Wetteinsätze extrem hoch. Ich habe Balinesen sonst nirgends mit so viel Geld hantieren sehen. Hier wechseln bebaute Grundstücke den Besitzer. Jeden Tag. Wer keinen Platz in der Wellblecharena findet, der lehnt sich von außen an die Bambusstützen. Ich, als einzige Frau, bekomme natürlich einen Sitzplatz. Für meine ungeübten Besucheraugen, sieht der Kampfablauf so aus:

Die Kontrahenten
Können sich die Hähne leiden oder nicht? Je weniger sie sich leiden können, desto besser. Kampfhähne werden nicht als solche gezüchtet oder trainiert. Konkurrenten aus dem Revier zu verjagen, liegt in ihrer Natur. Die Männer konfrontieren also die Gegner miteinander. Sträuben sich die Nackenfedern recht ordentlich, müssen nur noch die Waffen verteilt werden.

Die Waffen
Zugeben, das ist fies! Einfaches Schnabel-Picken und Flügel-Flattern wäre zu langweilig und zu langwierig. Die Waffe eines echten Kampfhahnes ist eine rasiermesserscharfe Klinge, die ihm an den Fuß gebunden wird. Wir haben schließlich nicht den ganzen Tag Zeit.

Der Wetteinsatz
Jetzt wird´s laut. Unter viel Geschrei werden die Rupiah gesetzt. Einer sammelt alles ein und behält irgendwie den Überblick. Ohne Zettel, Stift und Wettbüro merkt der sich, wer wieviel auf wen gesetzt hat. Mir ist es schleierhaft. Sie kennen sich eben alle. Sogar mich erkennen einige von meinem Besuch vor zwei Jahren wieder.

Der Kampf
Dann geht es los: Die Kämpfer werden in die Arena gesetzt, fackeln nicht lange und gehen aufeinander los. Auf einmal ist es ganz still in der Wellblecharena: Außer vereinzelten „Uhhhhhs“ und „Ahhhhs“ der Zuschauer und dem Geflatter der Hähne ist nichts zu hören. Es wird gedrängelt und geschoben, um besser sehen zu können. Verständlich:es geht schließlich um hohe Geldsummen. Wie bei einer Prügelei, scharen sich die Menschen im Kreis um das Geschehen.

Die Massenpanik
Flattert ein Hahn versehentlich in die Menge, bricht Panik aus. Nicht nur für die Tiere sind die Klingen an den Füßen verdammt gefährlich. Wie beim Stierkampf, springt man da besser über die Balustrade in den Zuschauerraum.

Die Endrunde
Nach wenigen Minuten ist auch mir klar, wer hier den Schnabel vorne hat und für welchen Hahn es mies aussieht. Die Endrunde findet unter einem umgedrehten Korb statt. Was dort passiert, bleibt mir schleierhaft. Irgendwie kann Hahn hier auch nach Punkten gewinnen. Komplizierte Regelungen, die man wohl nur als Ur-Balinese durchschaut. In den meisten Fällen ist der Verlierer nach dem Kampf nicht tot. Gestorben wird trotzdem. Der Loser-Gockel geht an den Gewinner-Besitzer und wird an Ort und Stelle gerupft. Der edle Klingen-Spender bekommt einen Flügel als Dank und für den Gewinner-Hahn geht es oft direkt wieder in die Arena.

Die Kampfhähne sind der ganze Stolz ihrer Besitzer und werden gerne mehr betüddelt als Frau und Kinder. Da wird täglich gedehnt, massiert, gestreichelt und der Käfig wird mit Seidentüchern bedeckt. Gewettet habe ich nicht. Nicht etwa, weil ich das als einzige Frau hier nicht durfte, sondern weil das für mich dann doch zu weit geht. Aber ganz ehrlich: wenn ich wählen müsste, wäre ich doch lieber Hahn auf Bali als in einer deutschen Massentierhaltung.

Zu sehen und zu hören gibt es die Kämpfe überall auf Bali. Es gibt sogar geführte Touren zur nächsten Wellblecharena. Mir persönlich gefällt es ja besonders, wenn ich der einzige Touri bin. Also einfach die Locals fragen, ob sie einen mitnehmen, das machen sie furchtbar gerne.

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